Haus Katharinenthal

...ein Millionär und Spiegelkönig aus Fürth. Sein Name: Wilhelm Moestel. Als Spiegelglas-Fabrikant kaufte er im Jahre 1898 das "Glasschleif- und Polierwerk Katharinenthal". Sohn Willi wurde Prokurist eines inzwischen gewachsenen Imperiums, fiel aber 1914 im Ersten Weltkrieg. Der Kummer über den Verlust eines großen Hoffnungsträgers ließ Vater Wilhelm resignieren. Er starb im Jahre 1917. Als Alleininhaber übernahm zwei Jahre später Sohn Paul nun 24 jährig die Firma in Fürth und Katharinenthal. Er war verheiratet mit Elsa, der jüngsten Schneidermeisterin mit eigenem Modesalon in Nürnberg.

Katharinenthal wurde für Familie Moestel - die Kinder Pia und Willi kamen hinzu - mehr und mehr als Ort der "Sommerfrische" genutzt, auch gingen Pia und Willi zeitweise während des Zweiten Weltkrieges hier zur Schule.

Der Werksmeister Albert Freller war seinerzeit von Wilhelm Moestel für die Glasschleiferei Katharinenthal eingestellt worden. Im Jahre 1911 zog

Albert Freller mit seiner Familie hier ein und verbrachte über 70 (!) Jahre "auf der Hoimerlschleif", wie Katharinenthal im Volksmund auch heute noch heißt. (Von einem Vorbesitzer aus Bach namens "Heimerl"). Gute und schlechte Zeiten, Freud und Leid, Lachen und Weinen hielten Einzug. Fünf fesche Mädchen und ein Bub (Margarethe, Xaver, Anni, Dora, Josephine und Frieda) sorgten für Wirbel im Tal an der Ascha. Ich habe immer noch das Glück, mich mit Angehörigen von Albert Freller über "Alte Zeiten" unterhalten zu können, und aufgrund der vielen Kindheiteserinnerungen und Erzählungen ist mir Katharinenthal sehr vertraut geworden. Frieda ist nun noch die letzte "Freller"-Tochter -
sie lebt derzeit in Regensburg....

Wirtschaftlich ging es während und erst recht nach dem Zweiten Weltkrieg ziemlich bergab. Auch eine Umstrukturierung im Produktionsbereich konnte eine Talfahrt nicht mehr aufhalten. Für Elsa Moestel wurde es immer schwieriger, Katharinenthal zu halten, zumal ihr Mann Paul sehr früh verstorben war. Sie entschloß sich zu verkaufen. Anfgang 1962 ging Katharinenthal an Ludwig Meixner sen., der während des Zweiten Weltkrieges ein Busunternehmen in Neunburg v. W. gründete. Albert Freller bekam von Familie Moestel ein lebenslanges Wohnrecht zugeteilt und so musste er nun über 80jährig zusehen, wie sich Katharinenthal veränderte. Sicher begegnete er den Veränderungen nicht mit großer Freude. Es wurde still im Katharinenthal. Im Jahre 1983 starb Albert Freller im Alter von fast 106 Jahren. Viele Menschen erinnern sich auch heute noch an ihn, wie er so mit seiner langen Pfeife an der Straße stand und sprach: "Wo kummt a denn her, wo geht a denn hie"? Es kam auch niemand hier vorbei, ohne einzukehren. Mit Albert Freller hat sich auch alles andere Leben hier verabschiedet. Eine Ära war vorbei. Anfang der 80er Jahre wurde das alte Herrschaftshaus abgerissen, ein neues Gebäude mit Pensionsbetrieb gebaut; Ludwig und Anni Meixner zogen ein.

Im Jahre 1997 fand ein Generationswechsel statt. Oma und Opa Meixner zogen aus Altersgründen zurück nach Neunburg wo sie beide im Juli 1998 verstorben sind. Seit November 1997 sind nun wir, Ludwig Jürgen, ich und unsere Kinder Annalena, Maximilian und Valentina "auf der Hoimerl".

Katharinenthal hat sich wieder verändert. Und es ist wieder Leben eingekehrt! Es rührt sich was! Holz, Wasserkraft und überhaupt der Umgang mit erneuerbaren Energien sind die Leidenschaften von Jürgen, während ich eine Frühstückspension für Genießer mit viel Liebe zum Detail zum Leben erweckt habe. Eine Vier-Sterne-Auszeichnung, sowie eine Anerkennung vom Landratsamt Schwandorf für den "umweltfreundlichen Haushalt" kamen hinzu. Nett, wenn sich Gäste verabschieden mit den Worten:
" Es ist schön bei Ihnen und wir freuen uns auf's Wiederkommen"......

Heike Meixner, "Hoimerlschleif"